Recycling Filament aus Thun

Recycling Filament aus Thun


Im März dieses Jahres hat uns Herr Pfäffli aus Thun per E-Mail kontaktiert, und uns geschrieben, dass er begeisterter Nutzer eines 3D-Druckers (FDM/FFF) sei. Ihm sei zudem aufgefallen, dass bei jedem Druck ein unvermeidlicher Teil an Abfall anfällt (Stützstruktur, Druckplattenhaftung usw.). Aus diesem Grund sei er daran, eine Geschäftsidee zu entwickeln, wie der anfallende 3D-Druck Abfall zu 100% recycelt und in ein druckfähiges Filament verwandelt werden könne. Dadurch würde das 3D-Drucken umweltfreundlicher gemacht.

Da wir schon länger unsere Fehldrucke und den anfallenden Abfall gesammelt haben, waren wir gerne bereit, eine solch coole Initiative zu unterstützen. Nachdem unsere PLA Druckabfälle im Mai dann abgeholt wurden, waren wir gespannt auf das erste daraus gewonnene Filament. Leider müssen wir uns noch etwas gedulden, bis wir aus eigenen PLA Abfällen bestehendes Recycling Filament testen können, denn das Austüfteln einer zuverlässigen Produktion hat laut Herrn Pfäffli sämtliches PLA von uns in Anspruch genommen. Wir müssen also wohl erst neuen Abfall beim 3D-Drucken produzieren, um dann Recycling Filament daraus zu erhalten. Gleichzeitig sind wir allerdings auch bestrebt, unseren Abfall an PLA weiter zu reduzieren.

Grosse Kiste mit unseren Fehldrucken.
Grosse Kiste mit unseren Fehldrucken. 

Herr Pfäffli von Filament Recycling Pfäffli hat uns vorerst eine Rolle selber hergestelltes HIPS Filament zur Verfügung gestellt, welches wir auf einem unserer Ultimaker 3D-Drucker getestet haben.

Rolle HIPS Material, Durchmesser 2.85 mm (Laut Hersteller +/- 0.1 mm)

Da beim Drucken von HIPS Dämpfe von Polystyrol frei werden können, haben wir unseren Drucker kurzerhand vom Keller auf die Terrasse geholt. Mal sehen, ob die leichte Zugluft draussen zu tolerieren ist, oder ob es dabei zu zuviel Warping kommt.

Ultimaker Original auf unserer Terrasse.
Draussen Drucken macht Spass, da sitzt man selber auch nicht im Keller. 

Material ausgepackt, Rolle auf den Ultimaker Original aufgelegt und eingespannt, soweit funktioniert alles top, der Durchmesser scheint in der nötigen Toleranz zu liegen, wir bemerken keine Probleme das Material bis zur Düse vorzuschieben. Es fällt uns auf, dass HIPS relativ biegsam ist, zumindest biegsamer als PLA oder ABS. Das hat aber nichts mit dem Recycling Filament zu tun, sondern ist wohl ein allgemeines Merkmal von HIPS.

Als erstes Testobjekt haben wir die Halterung für die E3D-Düse an unserem German RepRap X400 Drucker gedruckt. Unsere Einstellungen für den Ultimaker Original+ in Cura 4.2.1: 240° C Düse, 90° C Tisch und 40 mm/s Geschwindigkeit. Fülldichte 40%.

Ansicht und Druckeinstellugen in Cura 4.2.1.
Ansicht und Druckeinstellugen in Cura 4.2.1. 
Der Druck läuft...
3D-Gedruckte Düsenhalterung für den X400.
Düsenhalterung für den X400. 

Ob die Halterung besser funktioniert als die jetzige, welche wir in der Eile nur aus PLA gedruckt hatten, muss sich erst noch zeigen. Wenn wir Glück haben, sind die Layershifts auf dem X400 damit verschwunden.

Fazit
Wir sind von der Qualität des Materials überrascht, wir hatten uns nicht gedacht, dass auf Anhieb eine solch einwandfreie Qualität möglich sei. Wir sind vollumfänglich mit dem getesteten Material zufrieden. Einzig haben wir selber nicht die grosse Verwendung für HIPS, oder keinen richtigen Plan, wofür man das noch verwenden könnte, wer HIPS benötigt, ist mit dem Material aber unserer Meinung nach gut bedient.  Während des Druckens ist uns nichts aufgefallen, was nicht gut wäre, die Verarbeitung des Materials ist gut, der Ultimaker hat damit keine Probleme.

Das Material kam im Vakuum-Beutel, welcher jedoch nach kurzer Zeit nicht mehr ganz so stark vakuumiert war. Wir liessen die Rolle ca. zwei Wochen im Keller liegen, und in der Zeit hat das Vakuum im Beutel schon leicht nachgelassen. Wir denken das sollte keine Probleme machen, bzw. leicht zu verbessern sein. Wir sammeln weiterhin unsere Druckabfälle, und werden diese in Zukunft wieder an Herrn Pfäffli liefern, damit er daraus wieder neues Druckmaterial herstellen kann. Falls ihr auch Druckabfälle habt vom 3D-Drucken, kontaktiert ihn doch einfach unverbindlich. Recyceltes Material kann man übrigens in seinem Webshop auch kaufen, ohne dass man selber Druckabfälle anliefert.

In Zeiten, wo Mikroplastik schon im Regen und Schnee nachgewiesen werden kann, könnte das ein kleiner Beitrag an die Umwelt sein. Vielleicht stecken wir aber auch soweit in der Krise mit der Verwendung von Plastik, dass wir ernsthaft überlegen müssen, ganz davon Abschied zu nehmen, bzw. verantwortungsvoller, effizienter, sauberer und nachhaltiger damit umzugehen. Allerdings gilt dies nicht nur für Plastik, sondern ganz allgemein mit der Herstellung und dem Lebenszyklus von Gütern.

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